Florida 2011 - Tag 20

04
May

Florida 2011 - Tag 20

Mal ganz was neues, ich schlafe doch tatsächlich nur bis 6 Uhr und stelle fest, der Gemahl ist wieder ausgezogen und schläft am anderen Ende der geräumigen Behausung.
6 Uhr ist dann doch etwas früh – und auch noch stockdunkel. Also hole ich mir mein Buch (Die Wanderhure) und lese wie besessen. Gegen halb acht kommt Monsieur reingestiefelt und fragt nach Kaffee, aber ich habe noch gar nix gemacht (auch nicht die Butter rausgestellt) ich bin ja beschäftigt.

Er opfert sich und bringt den Kaffee ans laufen. Ich lege das Buch weg und hüpfe in den Pool, so sonnenhell habe ich noch nie gebadet und es ist auch schon anders, nicht ganz so morgenfrisch. Aber auch schön.

Das übliche Morgenritual, ein Blick ins Netz und das Sichten der Fotos vom vorhergehenden Tag.

Der Frühstückshunger lässt auch nicht lange auf sich warten und so beginnen wir diesen Tag ganz entspannt und zufrieden mit uns und der Welt auf der Terrasse am Pool.

Weiterlesen, ich bin fast durch…Aber was mache ich danach? Es gibt nur noch ein Buch (außer diversen Frauenzeitschriften, aber da stehe ich nicht so drauf) und das habe ich nach 60 Seiten aus der Hand gelegt, weil es so schwachsinnig ist. Zurück zur Wanderhure. Und schon eine halbe Stunde später ist die letzte Seite gelesen. Was nun? Wie stille ich für die letzte Ferienwoche meinen Lesehunger? Ich habe eine Idee.

In dem Forum von dem ich schon geschrieben habe, könnte ich Tipps erhalten, wo man hier in CC an deutsche Bücher kommen könnte. Also schreibe ich ein Post und frage dort um Rat. Kriege auch schon kurz drauf ein paar Tipps, aber noch nichts Konkretes. Eine Leserin schreibt von ihrer wohlgefüllten Hausbibliothek und wird auch gleich von der nächsten dazu aufgefordert mir doch vielleicht etwas ausborgen zu können, aber leider, leider ist sie nicht mehr hier vor Ort, sondern zurück in Deutschland – Mist!

Na gut, dann warte ich noch etwas und schreibe derweil den Blog weiter. Ich suche die entsprechenden Fotos aus und mach sie webklar (runterrechnen und neu benennen), da teilt mit mein Laptop mit es hätte nicht mehr genügend Energie und ich sollte schnell das Netzteil dranhängen. Ich wundere mich, denn da hat es die ganze Nacht zum Aufladen dran gehangen und jetzt die halbe Stunde kann doch nicht alles verbraten haben? Egal, Netzteil geholt und den Stecker reingesteckt.

Keine 5 Minuten später sagt der Lappi ganz lapidar er ginge jetzt wegen mangelnder Energie in den Standby Modus und verabschiedet sich. Häh – was ist jetzt los? Ich schaue auf das kleine Lämpchen am Netzteil, das müsste blau leuchten, tut es aber nicht.

Derweil ist noch etwas anderes passiert – die Pool-Umwälzanlage hatte eine halbe Stunde vorher plötzlich aufgehört „sich herum zu wälzen“ und ich hatte gleich den Verwalter angerufen, damit er nach dem rechten sehen kann.

Jetzt dachten wir zunächst wir hätten irgendwie Stromausfall auf der Terrasse (da ja auch das Netzteil in der Terrassensteckdose plötzlich keinen Saft mehr kriegte), das ließ sich aber schnell testen: alles andere draußen funktionierte einwandfrei: Ventilator, Licht, Pool- und Gartenbeleuchtung. Hm.

Dann musste es am Kabel liegen. Das Netzteilkabel mit dem Steckdosenstecker konnten wir auswechseln (haben wir mehrere von mit), aber das Lämpchen leuchtete nicht. Also musste es das Teil selber sein. Der Laptop ist eine süße „Damenvariante“ von EeePC (Asus) und noch kein ganzes Jahr alt. Shit, ausgerechnet hier gibt das Netzteil den Geist auf, aber wir haben in diesem Urlaub schon so viele Kabel gekauft, da kommt’s auf eines mehr oder weniger auch nicht mehr an. Also rin in die Klamotten und auf zum Best Buy in Ft. Myers.

Ich habe den von gestern an der S Cleveland auch auf Anhieb wieder gefunden und wir mit Laptop und Kabel rein in den Laden. Am Eingang stand ein Info-Mensch, der schickte uns in die Computerabteilung (das hätten wir auch noch allein hingekriegt). Da war nur ein(!) Verkäufer am Start und der war auch gut belagert. Als er dann endlich Zeit für uns hatte warf er einen Blick auf das Netzteil und den klitzekleinen Stecker daran und schüttelte den Kopf – No, not here! Wir baten um Auskunft, ob er denn wüsste wo man das kriegen könnte, aber er wusste nichts und so sind wir ganz bedröppelt wieder rausmarschiert.

Zurück zum Auto. Aber mein Jürgen lässt sich so schnell nicht entmutigen. Wofür haben wir eine Navi mit „Points of Interrest“ im Auto, die sogar Computerläden bieten kann!

400 m weiter waren gleich mehrere: in der Edison Mall. Nix wie hin, geparkt, raus in die Hitze. Der erste Laden war „Computer Safe“ – oder so ähnlich, so ein PC-Laden zum reparieren. Der Verkäufer war freundlich und hatte auch ein Netzteil mit Universalsteckersatz da, aber der kleinste Stecker war immer noch um einiges zu groß. Er schickte uns in die Mall zu Radio Shack, die hätten vielleicht so was. Wenn nicht, dann könnten wir wiederkommen und er würde dann mal recherchieren ob und zu welchem Preis er das besorgen könnte.

Wir also zu Radio Shack. Zwei junge Damen im Shop, beide befummelten ganz ungläubig unseren Ministecker und schüttelten den Kopf. Auch hier kein Glück, sie schickten uns zu dem Laden, der uns zu ihnen geschickt hatte.

Zurück zum ersten Laden. Der Verkäufer setzte sich auch gleich an den PC und suchte. Er fand dann auch einen Lieferanten, allerdings brauchte der Versand dann doch bis 10. Mai und dann brauchen wir das Ding nicht mehr, dann sitzen wir im Flugzeug nach Hause.

Tja, echt dumm gelaufen. Aber noch kein Weltuntergang, wir haben ja im Haus den Laptop des Eigentümers zur Verfügung und dann schreibe ich meinen Blog eben darauf. Die kleine externe Festplatte im Gepäck kann die Fotos speichern – alles geht, nur eben nicht mehr auf der Terrasse am Pool, sondern drinnen im „Büro“. Werde ich überleben.

Inzwischen war ich richtig hungrig und auch die Enttäuschung und der Frust über diesen Steckermist trieben nach Hause.

Der Pool stand immer noch still und auf dem Telefon blinkte eine Message – der Verwalter hatte zwischenzeitlich angerufen. Ich also zurück gerufen, aber wieder nur der AB.

Hermann hat sich aber innerhalb von Minuten gemeldet und uns seine Dagi angekündigt, die würde die Pumpe wieder in Gang setzen.

Im Forum gab es keine konkreten Bücherhilfsangebote- also erst Mal was kochen. Hawaitoast – geht schnell, schmeckt gut. Diese „broil“-Funktion im Backofen ist der Renner und geht vor allem superschnell, die erste Fuhre überbackene Toasts vor ein paar Tagen wäre fast in die Hose gegangen, so fix geht das hier.

Dann kam Hermann höchstpersönlich, seine Frau war während unserer Abwesenheit da gewesen und hatte das Problem nicht beheben können, jetzt war es also Chefsache. Hat auch keine 5 Minuten gebraucht, da sprudelte der Pool wieder.

Er hat dann Jürgen die ganze Haustechnik erklärt und gezeigt (Männer und Technik!), ich habe Toast gefuttert.

Dann verging der Nachmittag mit rumhängen und widerwillig lesen – die doofe Story wurde leider nicht besser. Lust zum Blog schreiben hatte ich auch nicht, ich war echt angepiselt.

Gegen Abend dann die Wende! Über das Forum hat mich eine Dame (User Mary Ann) per persönlicher Nachricht kontaktiert und mir ihre Hausbibliothek „ans Herz gelegt“, falls ich wollte. Auch gleich Adresse und Rufnummer dazu – der Tag war gerettet! Ich habe mir sofort das Telefon geschnappt und angerufen. Eine ganz nette und quirlige Person, wenn ich wollte, dann könnte ich jederzeit vorbei kommen – auch gleich jetzt. Natürlich wollte ich! Und Jürgen hat sich dann auch aufgerappelt und ist mitgefahren. Er ist nicht so der gesellige Typ, das gleicht meine Kontaktfreudigkeit ganz gut aus!  Ich habe überhaupt keine Verträge damit auf wildfremde Leute zuzugehen, Jürgen bleibt lieber in Deckung. Ich bin ja auch sehr schnell für etwas zu begeistern (und das bleibt auch lange so, nicht hüh und hott!), er braucht immer etwas länger um sich zu erwärmen. Egal!

Wir also ins Cabrio und losgedüst. Ganz in der Nähe vom Del Prado (den kenne ich ja nun auch schon rauf wie runter), eine Seitenstraße mit richtig schönen Villen, viele auch deutlich größer als unsere hier. Das schmälert auf keinen Fall meine Begeisterung für unser Casa del Sol, aber größer ist eben größer. Und das Anwesen der freundlichen „Aushilfsbibliothekarin“ war noch viel größer! Wow, schon die Fassade im spanischen Stil ein Traum und wir hatten kaum in der Auffahrt geparkt, da wurden wir auch schon ganz freundlich von der Dame des Hauses empfangen. Marianne lebt mit ihrem Mann schon seit Jahren hier in CC und die beiden haben sich ein wunderschönes Domizil „gegönnt“.

Das Wohnzimmer wie eine Halle - eine Art Atrium - denn das Gebäude ist zweistöckig und die oberen Räume haben eine traumhafte Galerie. Und dann erst die Terrasse und der Ausblick auf den See! So schön! Marianne und Jochen haben uns vieles gezeigt, alles war ganz unkompliziert und locker. Ich fragte Marianne nach ihrer Ursprungsheimat und sie sagte: Köln – ja nee, is klar! Rheinländer sind wirklich ein besonderes Völkchen wenn es um Kontakte und Freundschaften geht. Jetzt war nur dumm, dass wir aus „Feindesland“ stammen – Düsseldorf und Köln sind nämlich harte Konkurrenten und wie bei zwei nahe gelegenen Großstädten üblich immer so ein bisschen auf „Kriegsfuß“. Nee, nicht wirklich, schon gar nicht im Ausland. Da halten die Rheinländer auch gern zusammen.

Wir nahmen im Wohnzimmer Platz und schnell entwickelte sich ein lebhaftes Gespräch um dieses und jenes. Dann hat mir Marianne ihre Bücherregal im ersten Stock gezeigt und ich habe mir 4 Taschenbücher (schön dick) rausgefischt, das wird wohl reichen bis zur Abfahrt. Eigentlich wollten wir gar nicht so lange bleiben, aber es war so unterhaltsam mit den beiden und ihren lustigen Anekdoten zum Leben in den USA, da wurde es dann doch halb elf bis wir Abschied nahmen. Es war wirklich ein Vergnügen auch mal Menschen kennen zu lernen, die der absolut gehobenen Gesellschaftsschicht angehören und dennoch eine natürliche und freundliche Art im Umgang mit „Normalos“ an den Tag legen. Ich habe beruflich/privat schon mit so einigen höher privilegierten Mitmenschen zu tun gehabt, da war oft die Überheblichkeit und Arroganz einem „Mittelständler“ gegenüber nicht zu überhören. Nicht so hier – das war echt eine sehr nette Begegnung.

Zuhause habe ich noch schnell die Steaks auf den Grill gelegt und wir haben uns das leckere Sirloin schmecken lassen, allerdings an der Theke, draußen war es echt zu schwül.

Ab in die Falle!

Bilder gibt es heute nicht ;-(